Mein Dad

Am Montag rief mein Dad bei mir an und bat mich um Hilfe bei einer Kleinigkeit. Also werde ich am Wochenende zu ihm fahren. Ich liebe meinen Dad überalles und helfe ihm gerne wo ich nur kann. Ich verschiebe Termine, rufe ihn regelmäßig an obwohl ich telefonieren hasse und es jedes Mal eine Überwindung für mich ist, gerne nehme ich die 150km Entfernung in kauf. Seit ich weiß es steht wieder ein Besuch an, bin ich nervös.  Meine Gedanken sind woanders, ich weiß nicht wo mit mir hin, suche Ablenkung und Beschäftigung.

Um die Wahrheit zugestehen, ich komme mit seiner Krankheit nicht klar.  Als Kind habe ich meinen Dad abgöttisch geliebt und wollte keine Minute von ihm weichen. Ja wann hat es sich geändert?!  Seit diese furchtbare, zerstörerische Krankheit  ausbrach, da war ich ca. 8 Jahre alt.

Mein Dad hat “paranoide Schizophrenie.” An den ersten schlimmen Ausbruch  kann ich mich noch erinnern. Es war nachts, es war ein sternenklarer Himmel, ich konnte nicht schlafen. Mein Dad stand auf, redete von irgendeiner Bedrohung und klingelte die ganze Nacht an unserer Haustür um die bösen Geister zu vertreiben. Es gab weitaus schlimmere Situationen. Eines Abends nahm er sich ein Küchenmesser, rannte durch das Haus und drohte alle umzubringen. Damals schickte mich meine Mama schnell zur Oma, ohne eine Erklärung, ohne Trost zu spenden, nichts. Ich hatte solche Angst.

Ich merke wie mich das Ganze immer noch mitnimmt. Ich zittere beim schreiben, kann die Tränen kaum unterdrücken, ich bin aufgewühlt. Es gibt noch genug schlimme Errinerungen, die meine Psyche versteckt und vergraben hat, aus Selbstschutz. Ich kann [noch] nicht alles verarbeiten bzw. schreiben. Es würde mich zerstören.

Das tragische ist, dass meine Mom immer die Schuld beu meinen Dad gesucht hat. Nie hat sie sich mit dem Thema beschäftigt oder auseinander gesetzt. Immer kamen die Anschuldigungen: ” Er bildet sich das alles nur ein“, “er ist selbst Schuld“, “er tut nur so” etc… und wie so viele Themen in meiner Familie wird bis heute alles tot geschwiegen und bloß nie darüber geredet.

Mein Dad schluckt täglich bis zu 12 Tabletten, geht regelmäßig zu einem spezialisierten Arzt und gibt sich wirklich mühe. Leider beruhigen und verwirren ihn die Tabletten ungemein, er kann nur verlangsamt denken, sich bewegen, und ist schnell erschöpft. Aber er tut sein bestes. Jeden Tag ob es regnet oder schneit, geht er eine Stunde spazieren. Er kümmert sich um unseren großen Garten, hegt und pflegt ihn.

Jahrelang hat meine Mom mich versucht mich mit ihren Argumenten zu vergiften. Bis ich mich dagegen gewehrt habe, es war ein hartes stück Arbeit. Ich weiß das er keinerlei Schuld trägt für das was er uns damals angetan hat. Ich weiß er liebt mich und braucht mich. Das merke ich am Telefongespräch wen er weint und mir sagt wie sehr er mich lieb hat.  Meine Mom hat das noch nie zu mir gesagt…

Kein guter Tag

Mir geht es heute schlecht. Ich fühle mich einsam. Gleichzeitig weiß ich auch, dass ich nicht anders will und kann. Komisch oder?! Aber wenn jetzt jemand meine Nähe suchen würde, bekäme er nur meine kalte Schulter.  Ich kann einfach nicht. Ich kann keine Nähe zu lassen. Alles sträubt sich dagegen. Der einzige der es darf und der mich und meine Gefühle kennt ist mein Tiger. Er sagt oft das es von meiner Mutter kommt. Gefühle zu zeigen, sich zu öffnen, über Probleme zu reden gibt es in meiner Familie nicht. Es ist verboten und total verschämt. Ich habe zu große Angst das jemand meine Schwächen sieht und sie ausnutzt. Aber ich wünsche mir so oft dass ich wie die Anderen wäre. Meine kleinen Versuche auf Menschen zu zugehen sind klänglich gescheitert.  Es hielt ein, zwei Tage bis ich wieder meine Mauer um mich herum baute und den Kontakt abbrach.

Ich merke es auf der Arbeit extrem. Ich habe viel mit Menschen zu tun,  dazu gehört viel small talk und Hände schütteln.  So oft ich mich anstränge, meinen Kollegen/innen gleich zu tun, ich kann es nicht und werde es vielleicht nie können. Manchmal hasse ich mich dafür… Warum ist es nur so stark verankert das ich nicht über meinen Schatten springen kann?!

Geschichtsstunde an einem regnerischen Tag

Seit ich denken kann interessiere ich mich für Geschichte. Ich lese Bücher, schaue Filme, Interviews, besuche Gedenkstätten  und Museen jeglicher Form einfach alles was mit Geschichte zu tun hat. Letztens habe ich einen Film über die Waisenkinder vom zweiten Weltkrieg gesehen und es hat mich emotional an meine Kindheit errinert.

Gut, ich bin kein Waisenkind aber meine erster Lebenseinschnitt begann mit 2 Jahren. Ich kann mich bewusst nicht mehr an die Zeit errinern, ich war einfach zu klein aber meine Oma, Tanten und Onkels haben mir [oft genug] alles von damals berichtet. Ich komme ursprünglich aus Rumänien, geboren 1989.

In diesem Jahr herrschte eine Revolution und dazu blutige Demonstrationen die zum Sturz vom Diktator Nicolae Ceausescu führte. Also um es verschönernd Auszudrücken es war eine ziemliche Unruhe im Land. Da beschlossen meine Eltern 1991 mit ihren 4 kleinen Kindern zu fliehen, nach Deutschland. Da meine Urvorfahren Deutsche Abstammung  waren gab es keine Problem mit der Einreise.

Wir packten Koffer, ein bisschen Hab und Gut, verkauften unser großes Haus [zur damaligen Zeit ein Luxus] und fuhren mit dem Zug etappenweise nach Deutschland. Meine Oma erzählte mir ich hätte die ganze Zeit geschrien, geweint und ließ mich absolut nicht beruhigen. Meine Eltern waren verzweifelt und gaben mir ein paar Klapse auf den Po die mich zeitweise beruhigten.

Da waren wir in Deutschland. Ohne Geld, ohne Besitz, ohne Arbeit ohne nichsts. Wir mussten in der Nähe von Stuttgart in ein Auffanglager für Flüchtlinge. Zu sechst haben wir uns ein kleines Zimmer teilen müssen. Es gab keine Küche, keine Waschräume nur ein winziges Bad für dutzende Personen. In dieser Zeit haben wir Geschwister extrem viel abgenommen, den die Kantine war kostenlos aber demensprechend gab es fast jeden Tag Spinat, Haferbrei oder ähnliches.

Ich kann mich bewusst an diese Zeit nicht errinern aber ich weiß in meinem Unterbewusstsein ist es noch tief verankert. Man stellt sich vor ein kleines Mädchen wird aus seiner Umgebung herausgerissen, kommt in ein komplett anderes Land mit einer komplett anderen Kultur. Alle sprechen eine fremdartige Sprache und benehmen sich anders.  Alles ist fremd. Und das mit 2 Jahren!

In diesen Jahren [3- 5] hatte ich eine unglaubliche Schwierigkeit mich zu Recht zu finden, Menschen zu vertrauen. Meine Mom erzählte mir, eines Tages kam ich heulend vom Kindergarten und bestand darauf NIE wieder ein einziges Wort rumänisch zu reden. Am Anfang dachten alle, es sei eine kindische Spinnerei und das lege sich wieder.Sie haben versucht trotzdem mit mir rumänisch zu reden, mich in Fallen gelockt. Aber alles hat nichts geholfen und ich hab mir mein versprechen gehalten und seit diesem Tag NIE wieder rumänisch geredet. Was damals an diesem Tag passiert ist weiß ich nicht mehr. Meine Eltern haben auch NIE nachgefragt bei der Kindergärtnerin. Aber ich denke es liegt auf der Hand. Ich wurde wahrscheinlich für meine “fremdsprache” extremst gehänselt, sodass es mich so sehr verstört hat das ich nie wieder ein Ton von mir gegeben habe.  Jetzt hab ich es verlernt was ich aus heutiger Sicht sehr bereue aber das ist eine andere Geschichte…

Ich bin sehr froh hier leben und arbeiten zu können.

schlechte zeit

Im Moment geht es mir sehr schlecht! Ich bin schon seit 3 Jahren mit meinem Tiger zusammen. Als ich ihn kennen gelernt hatte, war er in einem miserablen Zustand. Er hatte keinen richtigen Job, keine Kohle, einen WG Bewohner der ein richtiges Ar… war und zu guter letzt war er 7 Jahre schon Single und ziemlich vereinsamt. Damals habe ich meine ganze Kraft aufgebracht bin zu ihm gezogen, hab ihm bei der Job suche geholfen, ihm das rauchen abgewöhnt, finanziell sehr geholfen und viele andere Dinge,die für mich selbverständlich sind. Ich hab es getan weil er jemanden brauchte und weil ich ihn Liebe. Er war am Anfang ziemlich eifersüchtig auf meine wenigen Freunde, deswegen hab ich zu zwei Stück den Kontakt abgebrochen. Alles aus Liebe!

Jetzt drei Jahre später, mailt er mit einer alten Freundin, in der er sagt dass ich hier keine Freunde hätte und wie sehr ihn das stört und wie gern er sie hat. Er wusste von Anfang an, dass ich depressionen habe und es mir sehr schwer fällt Freunde zu finden. Dann hab ich noch zu den wenigen den Kontakt abgebrochen. Gut, jetzt weiß ich das ich das NIE hätte tun sollen.

Ich bin verletzt, traurig,weine. Niemand ist da der mich versteht…

So das Wochenende geschafft!

Gott sei dank, war an der Familienfeier am Samstag die Hälfte krank, so war es eine schöne beschauliche kleine Runde.  Um genauer zu sein war es ein Grillfest. Natürlich hat man über “unangenehme” Dinge nicht gesprochen und heile Weltgespielt. Aber im Gegensatz zu den anderen Festen war es echt o.k.

Nachdem ich die Tage davor,  meinen Kopf  mit meinen Problemchen zermarttert habe und keine Ruhe fand, haben wir uns kurzfristig entschlossen auf ein Straßenfestchen zu gehen. Die 16km hin und zurück mit dem Fahrrad haben mich abends doch ganz schön geschlaucht und ich spüre heute noch einen dicken fetten Muskelkater. Ich bemerkte das wenn meine Haut bräunlich wird meine Narben sich deutlich hell vom Hintergrund abhebt. Früher habe ich im Sommer lange Pullover und Oberteile angezogen die dies verdenken aus Angst entdeckt zu werden. Heute gehe ich damit Selbstbewusst um und verstecke mich nicht mehr.

Heute gab es ein “Aha-Erlebniss.” Mein Chef kam zu mir und teilte mich in ein sehr sehr sehr wichtiges Projekt ein. Obwohl ich das “Küken” von unserer Gruppe bin und dementsprechend weniger Erfahrung habe wie die “Alt eingesessenen.” Erst gab es eine Besprechung mit allen Projektleitern und mir, indem wir uns austauschen durften. Ab morgen geht es los. Ich freu mich das Ich es bin die es machen darf.  Vorallem da ich immer als letzte für Aufgaben, Versuche etc genommen werde und ich mir wie eine Außenseiterin vorkomme. Anderseits lastet eine Menge Verantwortung auf mir, die mir Angst macht. Ich versuch einfach mein bestes…