Geschichtsstunde an einem regnerischen Tag

Seit ich denken kann interessiere ich mich für Geschichte. Ich lese Bücher, schaue Filme, Interviews, besuche Gedenkstätten  und Museen jeglicher Form einfach alles was mit Geschichte zu tun hat. Letztens habe ich einen Film über die Waisenkinder vom zweiten Weltkrieg gesehen und es hat mich emotional an meine Kindheit errinert.

Gut, ich bin kein Waisenkind aber meine erster Lebenseinschnitt begann mit 2 Jahren. Ich kann mich bewusst nicht mehr an die Zeit errinern, ich war einfach zu klein aber meine Oma, Tanten und Onkels haben mir [oft genug] alles von damals berichtet. Ich komme ursprünglich aus Rumänien, geboren 1989.

In diesem Jahr herrschte eine Revolution und dazu blutige Demonstrationen die zum Sturz vom Diktator Nicolae Ceausescu führte. Also um es verschönernd Auszudrücken es war eine ziemliche Unruhe im Land. Da beschlossen meine Eltern 1991 mit ihren 4 kleinen Kindern zu fliehen, nach Deutschland. Da meine Urvorfahren Deutsche Abstammung  waren gab es keine Problem mit der Einreise.

Wir packten Koffer, ein bisschen Hab und Gut, verkauften unser großes Haus [zur damaligen Zeit ein Luxus] und fuhren mit dem Zug etappenweise nach Deutschland. Meine Oma erzählte mir ich hätte die ganze Zeit geschrien, geweint und ließ mich absolut nicht beruhigen. Meine Eltern waren verzweifelt und gaben mir ein paar Klapse auf den Po die mich zeitweise beruhigten.

Da waren wir in Deutschland. Ohne Geld, ohne Besitz, ohne Arbeit ohne nichsts. Wir mussten in der Nähe von Stuttgart in ein Auffanglager für Flüchtlinge. Zu sechst haben wir uns ein kleines Zimmer teilen müssen. Es gab keine Küche, keine Waschräume nur ein winziges Bad für dutzende Personen. In dieser Zeit haben wir Geschwister extrem viel abgenommen, den die Kantine war kostenlos aber demensprechend gab es fast jeden Tag Spinat, Haferbrei oder ähnliches.

Ich kann mich bewusst an diese Zeit nicht errinern aber ich weiß in meinem Unterbewusstsein ist es noch tief verankert. Man stellt sich vor ein kleines Mädchen wird aus seiner Umgebung herausgerissen, kommt in ein komplett anderes Land mit einer komplett anderen Kultur. Alle sprechen eine fremdartige Sprache und benehmen sich anders.  Alles ist fremd. Und das mit 2 Jahren!

In diesen Jahren [3- 5] hatte ich eine unglaubliche Schwierigkeit mich zu Recht zu finden, Menschen zu vertrauen. Meine Mom erzählte mir, eines Tages kam ich heulend vom Kindergarten und bestand darauf NIE wieder ein einziges Wort rumänisch zu reden. Am Anfang dachten alle, es sei eine kindische Spinnerei und das lege sich wieder.Sie haben versucht trotzdem mit mir rumänisch zu reden, mich in Fallen gelockt. Aber alles hat nichts geholfen und ich hab mir mein versprechen gehalten und seit diesem Tag NIE wieder rumänisch geredet. Was damals an diesem Tag passiert ist weiß ich nicht mehr. Meine Eltern haben auch NIE nachgefragt bei der Kindergärtnerin. Aber ich denke es liegt auf der Hand. Ich wurde wahrscheinlich für meine “fremdsprache” extremst gehänselt, sodass es mich so sehr verstört hat das ich nie wieder ein Ton von mir gegeben habe.  Jetzt hab ich es verlernt was ich aus heutiger Sicht sehr bereue aber das ist eine andere Geschichte…

Ich bin sehr froh hier leben und arbeiten zu können.

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