Im Moment

Im Moment habe ich viele kleine und große Sorgen. Ich muss meine Gedanken ordnen und komme nicht zum schreiben. Zum einen geht es um meine Arbeit. Die ersten Monate waren die Hölle. Man hat mich gemobbt, als Küken behandelt und neue Aufträge mich gar nicht erst versuchen lassen. Mittlerweile habe ich gekämpft und es geschafft das man mich ernst nimmt. Ich werde bzw. kann nie small talk halten und wirke teilweise abweisend weil ich Nähe nicht ertragen kann. Arbeite dafür fleißig, gebe mir große Mühe und habe trotzdem ein paar nette Kollegen gefunden. Alles in allem bin ich zufrieden und gehe sogar gerne in die Arbeit. Nun geht es unserer Firma schlecht, der Großkunde hat seine Aufträge zurück genommen. Das heißt Peronaleinsparungen…

Obwohl mir versichert wurde das ich nicht gekündigt werde habe ich große Angst mein Vertrag läuft im September aus…Ich möchte einfach nur eine Arbeit für längere Zeit [sogar für immer] haben, keine finanziellen Sorgen und Sicherheit haben.

Es fällt mir unglaublich schwer mich in neue Situationen zurecht zu finden. Es kostet mich eine unglaubliche überwindung neu in einer Firma anzufangen. Was für andere ein Kinderspiel ist und viele sogar die Abwechslung suchen, kann ich nicht damit umgehen. Ich habe es zwar immer geschafft gleich was zu finden, aber ich möchte  nicht mehr kämpfen, suchen, Sorgen haben. Ich möchte morgens aufstehen und wissen das ich eine sichere Arbeit und mir langsam ein Leben aufbauen kann. Aber nicht mal das ist mir gegönnt…

Erlebniss

Ich bin mit drei Brüdern aufgewachsen. Sie sind alle älter wie ich. Der Jüngste Fritz ist 8 Jahre älter, dann kommt Hans und zum Schluss Jürgen. Ich war ein Nachzügler.

 Mein Verhältnis zu Ihnen ist heute o.k. Wir haben keine nahe Bindung, aber ich weiß wenn ich in ernsthafte Probleme hätte würden sie mir ohne zu zögern helfen. Wenigstens zwei von drei Brüdern.

 Als Kind wollte ich immer so sein wie sie. Sie waren meine Vorbilder. Cool, lässig und sie durften viele Dinge anstellen die ich nicht durfte. Besonders mein zweiter ältester Bruder Hans hat es mir angetan. Immer hing ich als nervende kleine Schwester an seinem Hosenbund, wollte machen was er machte, wollte mit auf die Ausflüge mit seinen Freunden, wollte nichts verpassen.  

 Leider kam in meinem 13ten Lebensjahr ein sehr einschneidendes Erlebnis das ich bis heute nicht verarbeitet bzw. noch niemanden außer meinem Tiger erzählt habe.  Hans den ich  abgöttisch liebte, ihn als DAS Vorbild sah, hatte mich sehr verletzt.

 Unsere familiäre Situation war/ist nicht einfach, und dementsprechend war ich als Teenager pummelig. Damals habe ich alle Probleme und Gefühle in mich hineingefressen. Ich hatte ca. 15 kg übergewicht. Als wenn man in diesem Alter nicht schon genug Probleme hätte dazu ein minderwertiges Selbstwertgefühl, kam Hans.

 Ich erinnere mich so genau an dem Tag als wäre es gestern. Es war ein schöner sonniger Tag. Ich saß mit meiner Mom, Hans, Fritz und Jürgen in dessen Zimmer. Wir tranken Cola, zockten nebenher auf unserer Playstation und alberten herum.

Plötzlich fing Hans an mich zu beleidigen, was für eine fette Kuh ich wäre, er würde sich schämen wegen meines Übergewichtes und traute sich nicht mehr mit mir unter die Leute zu gehen. Die anderen Jungs würden sich nie für mich interessieren. Andere in meinem Alter hätten schon einen Freund. Ich sollte gefälligst abnehmen etc… Peng! Das saß…. Mein eigener Bruder schämte sich für mich.

Meine Erziehung lehrte mich NIE Gefühle zu zeigen also schluckte ich, tat als würde mich das nicht interessieren und verbrachten den Tag als wäre nichts passiert. Obwohl alle dabei saßen verteidigte bzw. tröstete mich niemand. Abends schlich ich mich aus dem Haus und schluchzte und weinte vor mich hin. Da kamen meine ersten Suizidgedanken.

 Seit diesem Tag habe ich Hans gemieden. Mein absolutes Vorbild war von heute auf morgen zerstört. Ich zog mich zurück, lachte weniger und umging meine Familie soviel es eben ging.Es war eines von vielen traumatischen Erlebnissen aus meiner Kindheit die mich immer noch zum schluchzen bringen und nicht loslassen.

 Bis heute hat sich Hans nie entschuldigt. Wahrscheinlich ist es für ihn unwichtig und er hat es längst in die Schublade verstaut. Aber was es meiner Seele, mein Leben, mein Selbstwertgefühl angetan hat, [bis heute] interessiert niemand aus meiner Familie.  

 Man darf ja nicht offen  über Gefühle reden…

Traum

Nur ich und Du

Sind hier, wir sehn dem Leuchten zu.

Am ruhigen Abendhimmel steht

Ein brennender Planet.

Ich wünsche, der Moment verstreicht

Niemals, weil nichts der Wärme

Deiner Liebe gleicht.

Selbst zwischen tausend Sonnen

Erstrahlt Dein Herz am hellsten,

Ein Schein, der mich

Auf allen Wegen führt.

Die Netze sind gesponnen,

Mir kann nichts mehr passieren,

Denn Deine Hand hat meine Haut berührt.

Der Seele nah, Dem Körper fern,

Auf einem abgelegenen Stern

Betrachten wir den Feuerball

Und schleudern Tränen in das All.

Du siehst mich an, Sehnsucht durchdringt

Den Abschied, in mir spielt

Ein lied, das nie verklingt:

Selbst zwischen tausend Sonnen

Erstrahlt Dein Herz am hellsten,

Ein Schein, der mich

Auf allen Wegen führt.

Die Netze sind gesponnen,

Mir kann nichts mehr passieren,

Denn Deine Hand hat meine Haut berührt.

Seit Du als Wind in jedes offene Fenster wehst,

Seit Du als Baum in jedem Wald der Erde stehst,

Seit Du als Fluss in jedes stille Wasser fließt,

Und Dich als Regen über jedem Land ergießt,

Seit Du Dich als das Lächeln

Hinter meinem Spiegel zeigst,

Mit mir in Träumen weit hinauf,

Über die Wolken steigst,

Seit mir das Leben diesen

Einen Anblick bot:

Seitdem verlor ich alles,

Auch die Angst vor meinem Tod.

Wochenende

Das Wochenende war toll! Morgens sind wir ziemlich früh aus dem Bett gestiegen und haben schnell die Sachen gepackt. Gott sei dank war es ein Recht schöner Sonnenaufgang der uns begrüßt hat. Danach haben wir uns eine halbe Stunde herum geärgert mit dem klappbaren Gepäckträger für das Fahrrad, nur um das Ding wieder in die Ecke zu verstauen weil wir es nicht gebacken bekommen haben.

Nach einer Stunde Auto fahrt, Fahrrad ausladen, Inliner an und nichts wie los. Es hat total Spaß gemacht. Die Strecke war fast komplett eben und es gab alle 7 km kleine Stände mit Äpfel, Bananen und Eis zum abkühlen.  Ich dachte nicht dass es soo heiß werden würde und habe die Sonnencreme zu Hause liegen gelassen. Ich und mein Tiger sehen aus wie zwei wandelnde Krebse. Aber nichts und niemand konnte unseren Spaß und durchhalte Vermögen bremsen.

Unser Plan war eine Strecke [35km]  zu fahren und mit der Fähre zurück bis zum Ausgangspunkt gebracht zu werden. Leider waren wir 10 Minuten [!] zu spät an der Anlegestelle und damit alles zusammenpasste war es natürlich die einzigste Uhrzeit in der die Fähre gefahren wäre. Also total rot von der Sonne und kaputt fuhren wir nochmals die 35 km in der prallen Sonne zurück.

Das Ende vom Lied: Tiger heftigsten Sonnenbrand an den Schultern. Ich kaputte Füße, Wundstellen und eine 2 Euro große Blase am Fuß. Heute muss ich zu Hause bleiben denn ich kann kaum laufen und mir tut alles weh. Keine Chance!

Trotz allem war es wirklich toller Tag! Tiger war Stolz das wir die 70 km geschafft haben und als Belohnung gab es noch ein Milchshake.

[Tut gut mal alles zu vergessen und den Tag genießen zu können.]

Gedicht

Geboren worden zu sein bedeutet Leben,

Leben bedeutet Schmerzen zu empfinden,

Empfindsamkeit ist die Folge der Schmerzen und ermöglicht es zu lieben,

Jemanden zu lieben bedeutet Leid zu ertragen,

leiden bedeutet verletzt worden zu sein,

Die Verletzungen werden heilen doch die Seele wird weiter weinen.

Tränen bedeuten etwas verloren zu haben,

Verlust zu spüren ist nichts als Einbildung,

Einbildung bedeutet Wünsche vor sich selbst zu offenbaren,

Wünsche sind ein Ausdruck des Vermissens.

Sich etwas zu wünschen bedeutet zu hoffen das es in Erfüllung geht,

Hoffnung bedeutet warten zu können,

warten tut man sein leben lang auf das Ende,

das Ende im Leben ist der Tot,

Tot ist nichts als die Erlösung von allen übeln.

Doch anderen in Erinnerung zu bleiben bedeutet

UNSTERBLICHKEIT

Zeit

“Niemand schien zu merken, daß er, indem er Zeit sparte, in Wirklichkeit etwas ganz anderes sparte. Keiner wollte es wahrhaben, daß sein Leben immer ärmer, gleichförmiger und immer kälter wurde. Deutlich zu fühlen jedoch bekamen es  die Kinder, denn auch für sie hatte nun niemand mehr Zeit. Aber Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen. Und je mehr die Menschen daran sparten, desot weniger hatten sie.”

[Auszug: Michael Endes, Momo]

Über diesen Auszug musste ich noch lange nachdenken. Meine Eltern bzw. meine Mum war/en seit meiner frühsten Kindheit immer berufstätig. “Wir sollten es besser haben”, versuchten sie zu rechtfertigen. Das wir dabei vereinsamten haben sie nie begriffen. Bis heute…

Ich freue mich

Eeendlich kann ich mich wieder auf etwas freuen. Am diesigen Wochenende ist wie jedes Jahr die B27 gesperrt. Das heißt am Sonntag dürfen keine Autos auf der Bundestrasse fahren. Es ist eine Strecke von 34 km. Wohlgemerkt eine Strecke!

Warum ich mich freue?

Früher bin ich mit meinen Freunden und Bekannten jedes Jahr diese Strecke, ob mit Inlinern oder Fahrrad hin und zurück gefahren. Es war einer dieser wenigen Tage indem man lachen, Spaß haben und alles vergessen konnte. An dem Tag darauf hatte ich zwar einen Muskelkater der sich gewaschen hatte aber es war es Wert. Ich verbinde mit diesem Tag viele schöne und glückliche Errinerungen.

Seit drei Jahren, seit meinem Umzug, 100 km entfernt, konnte ich nicht mehr hin. In den ersten zwei Jahren hier, war alles neu für mich.  Eine fremde Stadt, keine finanziellen Mittel, kein Auto, keine eingerichtete Wohnung. Ich weiß noch ganz genau wie schlimm es war am Ende des Monats nichts zum Essen zu haben. In dieser Zeit habe ich 7 kilo in zwei Monaten abgenommen und war total am Ende meiner Kräfte. Da noch 100km mit dem Zug hinfahren, 60km rauf und runter düsen und zurück nach Hause?! Mit viel Energie und körperlicher Anstrengung von mir und meinem Tiger haben wir es heute endlich geschafft ein “normales” Leben [gibt es das überhaupt?] zu führen.

Die Wettervorhersage hat Sonnenschein angekündigt und vielleicht werde ich den ein oder anderen Bekannte treffen. Ich freue mich… Es geht bergauf… im Moment

Trotz sunshine

Obwohl nach tagelangem Regen heute der erste sonnige Tag ist gehts mir schlecht. Gleich nach der Arbeit hab ich Essen gekocht, Bettwäsche gewechselt und das Bad blitz blank geputzt. Wofür?

Um mich abzulenken. Nicht alleine mit meinen Gedanken zu sein. Doch jetzt sitze ich hier eingekuschelt in meine Decke und die Gedanken kommen. Ich hab keine Kraft mehr. Ich fühl mich einsam. Jeden Tag kämpfe ich und schaffe es irgendwie den Tag zu überstehen.  Ich muss ja für meinen/unseren Lebensunterhalt sorgen.

Mein Tiger muss heute überstunden machen und ist nicht hier um mir halt zu geben. Ich reflektiere über mein Leben, über mich und meine Zukunft… Mein Tiger wünscht sich später Kinder. Ich weiß nicht ob ich ihm diesen Wunsch jemals erfüllen kann.

Ich habe solche Angst genauso wie meine Mutter zu werden. Gefühlskalt, misstrauisch, voller Vorurteile. Man sagt der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Natürlich würde ich alles in meiner Kraft möglichstes tun NICHT so zu werden aber ein Restrisiko bleibt. Außerdem was ist mit meinen Depressionen? Muss das ein Kind mitbekommen bzw. miterleben? Nein ich denke nicht.

Errinerungen…

Am 31. Mai hatte mein Opa Geburtstag. An diesem Tag errinere ich mich besonders an ihn… und daran wie er den Freitod gewählt hat. Ich war damals 12 Jahre und habe ihn abends gegen 21 Uhr in unserem Garten gefunden. Er hat sich mit einem Strick an einer Tanne erhängt.

Damals wohnten wir in einem kleinen Dorf und mein Opa ist kreuz und quer, überallhin immer mit seinem geliebten Fahrrad gefahren. Zu unserem 2km entfernten Garten, zum Lädle, zum Blumenhändler etc… Natürlich kam es öfters zu kleinen Unfällen, auch mit Autos. Meine Oma hat es immer wieder geschafft die Unfallnehmer zu überzeugen NICHT die Polizei zu rufen. Denn dann hätte mein Opa [zu Recht?] eine Geldstrafe und mehr bekommen. Wie sie dass immer geschafft hat ist mir ein Rätsel. Aber die Beiden haben immer zueinander gehalten. Dafür bewundere ich Sie.

Natürlich wusste das ganze Dorf bescheid. Es wurde immer hinter der Hand über ihn getuschelt. Aber er hat sich bei so vielen Menschen eingesetzt und geholfen das sie ihn trotzdem Respektierten. Egal ob jemand Hilfe brauchte er war ohne zu zögern da. Er war sehr hilfsbereit.

Ich will nicht sagen dass wir die beste Beziehung zueinander hatten. Das Problem war er war Alkoholiker. Einer von der schlimmen Sorte. Er hat bis zum Schluss NIE zugegeben bzw. eingesehen dass er ein Alkoholproblem hat. Seine Flaschen hat er überall versteckt. Im Keller, zwischen Kartons, unter dem Bett, im Kleiderschrank einfach überall. Meine Oma hat immer mit ihm zu kämpfen gehabt und meine Tanten und Onkels haben versucht ihm zu helfen. Eine Schwester die seit 20 Jahren überzeugte [!] Raucherin ist, wollte meinem Opa zuliebe aufhören aber nur wenn er einen Entzug durchsteht. Aber nach eigener Aussage, hat er ja kein Alkohol Problem.  Er war nie aggressiv, oder hat jemanden verletzt. Aber wenn er betrunken war hat er oft wirres Zeug geredet und viele Dinge vergessen.

Bis heute kann ich mich errinern, dass mein Opi mein Fahrrad immer geflickt hat. Denn als Kind bin ich über Stock und Stein gefahren. Kein Hügel, Buckel oder Waldstraße war mir zu schade, ich musste mit meinem Raddel durch. Da kam es oft vor das mein Fahrrad kaputt war, genauso wie meine Knien immer wund gescheuert waren. Nie hat er sich darüber beklagt wenn er manchmal jeden Tag mein Fahrrad reparieren musste. Er hat es sogar gerne gemacht.

Zwei Tage vor seinem Tod war ich bei Oma und Opa zu Besuch. Mein Opa war wie immer betrunken. Meine Oma hat an ihren Socken gestrickt und ihn ignoriert. Wir haben zusammen Abend gegessen. Den ganzen Abend über sagte mein Opa immer wieder zu mir: “Authenticgirl du passt doch auf Oma auf, ja?” “Du musst mir versprechen Oma oft besuchen zu kommen.” Natürlich antwortete ich jedes Mal mit Ja. Es kam mir damals zwar komisch vor, dass er mich immer wieder darum bat. Aber nie hätte ich gedacht dass er sich das Leben nimmt.  Vergessen werde ich das nie.

Wir vermuten, er konnte mit den Errinerungen an den zweiten Weltkrieg nicht mehr leben. Als Kind hat er seine Schwester und sein Bruder durch eine Bombe verloren. Das Haus war zerstört, die vielen Leichen die er mit ansehen musste etc… Also fing er an, als er in Rente war, mit dem Trinken an. Na klar, was macht mit soviel Zeit? Man denkt nach. So begann alles…

Manchmal mache ich mir Vorwürfe warum ich damals nicht reagiert habe. Die Schuldgefühle plagen mich weil ich sein Versprechen nicht immer einhalten kann. Wird es jemals besser?

Es tut mir leid Opa. Ich hab dich lieb.