Erlebniss

Ich bin mit drei Brüdern aufgewachsen. Sie sind alle älter wie ich. Der Jüngste Fritz ist 8 Jahre älter, dann kommt Hans und zum Schluss Jürgen. Ich war ein Nachzügler.

 Mein Verhältnis zu Ihnen ist heute o.k. Wir haben keine nahe Bindung, aber ich weiß wenn ich in ernsthafte Probleme hätte würden sie mir ohne zu zögern helfen. Wenigstens zwei von drei Brüdern.

 Als Kind wollte ich immer so sein wie sie. Sie waren meine Vorbilder. Cool, lässig und sie durften viele Dinge anstellen die ich nicht durfte. Besonders mein zweiter ältester Bruder Hans hat es mir angetan. Immer hing ich als nervende kleine Schwester an seinem Hosenbund, wollte machen was er machte, wollte mit auf die Ausflüge mit seinen Freunden, wollte nichts verpassen.  

 Leider kam in meinem 13ten Lebensjahr ein sehr einschneidendes Erlebnis das ich bis heute nicht verarbeitet bzw. noch niemanden außer meinem Tiger erzählt habe.  Hans den ich  abgöttisch liebte, ihn als DAS Vorbild sah, hatte mich sehr verletzt.

 Unsere familiäre Situation war/ist nicht einfach, und dementsprechend war ich als Teenager pummelig. Damals habe ich alle Probleme und Gefühle in mich hineingefressen. Ich hatte ca. 15 kg übergewicht. Als wenn man in diesem Alter nicht schon genug Probleme hätte dazu ein minderwertiges Selbstwertgefühl, kam Hans.

 Ich erinnere mich so genau an dem Tag als wäre es gestern. Es war ein schöner sonniger Tag. Ich saß mit meiner Mom, Hans, Fritz und Jürgen in dessen Zimmer. Wir tranken Cola, zockten nebenher auf unserer Playstation und alberten herum.

Plötzlich fing Hans an mich zu beleidigen, was für eine fette Kuh ich wäre, er würde sich schämen wegen meines Übergewichtes und traute sich nicht mehr mit mir unter die Leute zu gehen. Die anderen Jungs würden sich nie für mich interessieren. Andere in meinem Alter hätten schon einen Freund. Ich sollte gefälligst abnehmen etc… Peng! Das saß…. Mein eigener Bruder schämte sich für mich.

Meine Erziehung lehrte mich NIE Gefühle zu zeigen also schluckte ich, tat als würde mich das nicht interessieren und verbrachten den Tag als wäre nichts passiert. Obwohl alle dabei saßen verteidigte bzw. tröstete mich niemand. Abends schlich ich mich aus dem Haus und schluchzte und weinte vor mich hin. Da kamen meine ersten Suizidgedanken.

 Seit diesem Tag habe ich Hans gemieden. Mein absolutes Vorbild war von heute auf morgen zerstört. Ich zog mich zurück, lachte weniger und umging meine Familie soviel es eben ging.Es war eines von vielen traumatischen Erlebnissen aus meiner Kindheit die mich immer noch zum schluchzen bringen und nicht loslassen.

 Bis heute hat sich Hans nie entschuldigt. Wahrscheinlich ist es für ihn unwichtig und er hat es längst in die Schublade verstaut. Aber was es meiner Seele, mein Leben, mein Selbstwertgefühl angetan hat, [bis heute] interessiert niemand aus meiner Familie.  

 Man darf ja nicht offen  über Gefühle reden…

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